Die Entwicklungsgeschichte Makedoniens bis zur Unabhängigkeit der Republik Makedonien
von Andreas Schwarz

Die Gründung des modernen makedonischen Staates ist eng mit dem Aufkommen und der Klärung der sogenannten makedonischen Frage in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. verbunden. Im Rahmen der jugoslawischen Föderation (1943 bis 1991) wurde diese Frage zunächst staatsrechtlich geklärt. Mit der Unabhängigkeit der Republik Makedonien als Völkerrechtssubjekt ist die Frage auch völkerrechtlich geklärt. Die Republik Makedonien liegt in einer geographischen Region gleichen Namens, die anteilig auch zu Bulgarien und der Hellenischen Republik gehört. Namensgeber für die heutige Region Makedonien und damit auch für die Republik Makedonien ist das antike Makedonien. Der Name „Makedonien“ leitet sich von den antiken Makedoniern bzw. Makedonen ab. Das Wort „Makedone“ stammt wiederum vom Wort „Maknos“ ab, das soviel wie „lang“ oder „hoch“ bedeutet. Dies kann sich sowohl auf ihren Körperbau, als auch darauf beziehen, dass die Makedonen von hoch oben aus dem Norden kamen. Das Wort Maknos bedeutet ebenfalls soviel wie „weit“, also kann der Name „Makedonien“ auch „weites Land“ bedeuten. Im Gegensatz zum gebirgigen Griechenland besteht Makedonien vor allem aus weiten Ebenen. In der nachfolgenden Darstellung wird ausschließlich die Geschichte der Republik Makedonien behandelt.

Das antike Makedonien und die antiken Makedonier
Die antiken Makedonier wanderten nach 1200 v. Chr. als indogermanischer Volksstamm in das Gebiet des antiken Makedonien ein. Das antike Makedonien war ein Königreich und unterschied sich in seiner Herrschaftsform von den griechischen Klein- und Staatstaaten auf der Balkanhalbinsel.
Der makedonische König Philipp II. (Herrschaft: 359 – 336 v. Chr.) eroberte nach und nach die Herrschaft in der ganzen antiken griechischen Staatenwelt. Den Grundstein für diese Großmachtstellung Makedoniens legten bereits seine Vorgänger. Nach der Schlacht von Chaironeia im Jahre 338 v. Chr. hatte Philipp II. das ganze Gebiet des antiken Griechenlands unter seine Kontrolle gebracht. Er vereinigte die zersplitterten und meist untereinander zerstrittenen griechischen Staaten. Seinem Sohn, Alexander dem Großen (Herrschaft: 336 – 323 v. Chr.), diente das geeinte, unter makedonischer Vorherrschaft stehende antike Griechenland als Basis für seine Eroberungszüge in Kleinasien. Makedonien wurde zu einem Weltreich, dessen Grenzen bis an den Indus und nach Ägypten reichten. Dementsprechend wurde auch der Hellenismus weit verbreitet. Nach seinem Tod zerfiel dieses Reich dann in den sogenannten Diadochen-Kämpfen wieder, da es keinen Nachfolger gab. Mit dem Aufstieg des Römischen Reiches verlor das makedonische Königreich zunehmend an Bedeutung. In drei Makedonisch-Römischen Kriegen schrumpfte der Machtbereich Makedoniens immer mehr zusammen. Nach dem dritten Makedonisch-Römischen Krieg erzwang Rom 168 v. Chr. das Ende des makedonischen Königtums und die Aufteilung Makedoniens in vier selbstständige Gebiete. Im Jahre 148 v. Chr. wurden die makedonischen Gebiete als Provinz Macedonia in das Römische Reich eingegliedert. Damit endete die selbstständige antike makedonische Geschichte. Heute gibt es die antiken Makedonier nicht mehr. Die antike makedonische Sprache ist ebenfalls ausgestorben.

Das Aufkommen der sogenannten makedonischen Frage
Nach der Reichsteilung im Jahre 395 n. Chr. fiel Makedonien an das Oströmische Reich bzw. an das Byzantinische Reich. Zwischenzeitlich geriet Makedonien unter bulgarische Herrschaft, bevor es zwischen 1330 – 1350 zunächst unter serbische und bis 1912 schließlich unter Osmanische Herrschaft fiel. Das Schicksal der makedonischen Bevölkerung im Osmanischen Reich blieb vor allem nach dem Berliner Kongress vom 13.07.1878 ungeklärt, in dem dieser die makedonischen Gebiete unter osmanischer Herrschaft beließ, während das kurz zuvor vom Osmanischen Reich unabhängig gewordene Bulgarien unabhängig blieb. Auch die Balkanstaaten Griechenland, Montenegro und Serbien waren zu dieser Zeit bereits unabhängig. Diese Situation begründete die sogenannte makedonische Frage. Sie betraf das Schicksal der makedonischen Bevölkerung im Osmanischen Reich nach dem Berliner Kongress im Jahre 1878 und nach der Aufteilung Makedoniens zwischen Bulgarien, Griechenland und Serbien aufgrund des Vertrages von Bukarest im Jahre 1913. Diese Frage führte zu entsprechenden Bestrebungen der makedonischen Bevölkerung nach Autonomie innerhalb des Osmanischen Reiches, Gründung eines unabhängigen makedonischen Staates oder Anschlusses an Bulgarien. Nach der Aufteilung Makedoniens im Jahre 1913 blieb die sogenannte makedonische Frage besonders im zu Serbien bzw. Jugoslawien gehörenden Teil Makedoniens offen, während die makedonische Bevölkerung in Bulgarien und Griechenland aufgrund eines größeren Bevölkerungsaustausch zum Teil verdrängt und aufgrund einer massiven Assimilationspolitik zum Teil assimiliert wurde. Erst durch die Anerkennung der ethnischen Makedonier als gleichberechtigt mit den anderen jugoslawischen Völkern bzw. als Nation auf der zweiten Sitzung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens im Jahre 1943 und der Schaffung eines makedonischen Staatswesens im Jahre 1944, konnte die sogenannte makedonische Frage beantwortet und geklärt werden. Offen bleibt allerdings der Status der ethnischen Makedonier als Minderheit vor allem in Bulgarien und in Griechenland, wo sie als ethnische Minderheit offiziell nicht anerkannt werden.

Das heutige Makedonien
Als Makedonien im heutigen Sinne wird in der politisch-geographischen Terminologie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene Region bezeichnet, die als eine der ersten Gebiete auf europäischem Boden gehörte, die vom Osmanischen Reich erobert worden war, und bis 1912 am längsten im Vergleich zu anderen Gebieten auf der Balkanhalbinsel unter dessen Herrschaft blieb, während die Staaten Bulgarien, Montenegro, Serbien und Griechenland nach und nach bis 1878 ihre Unabhängigkeit erlangten. Auf dieses Gebiet bezog sich seit dem Jahr 1878 die sogenannte makedonische Frage und der Kampf der makedonischen Bevölkerung um Autonomie und Unabhängigkeit oder Anschluss an Bulgarien. Im Vertrag von Bukarest vom 10.08.1913 wurde das so definierte geographische Gebiet von Makedonien (67.313 km²) zwischen den Staaten Bulgarien (Pirin-Makedonien, 6.800 km²), Griechenland (Ägäisch-Makedonien, 34.800 km²) und Serbien (Vardar-Makedonien, 25.713 km²) aufgeteilt. Auf dem Gebiet des sogenannten „Vardar-Makedonien“ wurde 1944 innerhalb der jugoslawischen Föderation der makedonische Staat gegründet, der sich 1991 unter der Bezeichnung Republik Makedonien für unabhängig erklärte. Das Gebiet des antiken Makedoniens dehnte sich zu Zeiten des makedonischen Königs Philipp II. in nördlicher Richtung bis zu einer Linie aus, die etwa vom Ohridsee in nordöstlicher Richtung bis zum Rhodopengebirge und Philippopolis, dem heutigen Plovdiv in Bulgarien, verlief und sich dann nach Süden zum Ägäischen Meer wandte.Die römische Provinz Macedonia umfasste wiederum Gebiete, die vorher nicht zum antiken Makedonien gehörten. Dafür gingen Teile des antiken Makedoniens an andere römische Provinzen. Während der über 500 Jahre andauernden osmanischen Herrschaft war Makedonien keine eigene verwaltungspolitische Einheit, sondern stets in verschiedene, im Laufe der Zeit sich ändernde Verwaltungsbezirke (Wilayets) aufgeteilt. Heute verteilt sich das geographische Makedonien auf die Republik Makedonien, die Hellenische Republik und Bulgarien. In Bulgarien wird die Bezeichnung Makedonien formell nicht verwendet, im Wesentlichen handelt es sich hierbei um den Bezirk Blagoevgrad. In Griechenland untergliedert sich die Region Makedonien formell in die Regionen Westmakedonien, Zentralmakedonien und Ostmakedonien-Thrakien. Die griechischen Regionen verfügen über das Recht der Selbstverwaltung, ausgeübt durch einen gewählten Regionalpräsidenten und einen gewählten Regionalrat. Die Republik Makedonien ist das einzige Völkerrechtssubjekt mit der Bezeichnung Makedonien. Die Verfassung der Republik Makedonien definiert diese als souveränen, selbstständigen, demokratischen und sozialen Staat.

Der makedonische Staat im Rahmen der jugoslawischen Föderation
Der makedonische Staat verdankt seine staatsrechtliche Existenz der erstmaligen Anerkennung der ethnischen Makedonier als gleichberechtigt mit den übrigen jugoslawischen Völkern und damit als eigenständige Nation auf der zweiten Sitzung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens am 29.11.1943. Mit dieser Anerkennung der ethnischen Makedonier als Nation war folgerichtig auch die Gründung eines makedonischen Staates innerhalb einer jugoslawischen Föderation verbunden. Mit der Eröffnung der ersten Tagung des Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Mazedoniens im Kloster Prohor P?inski am 02.08.1944 wurde der Schlussakt zur Gründung eines makedonischen Staates eingeleitet, der als „Volksrepublik Makedonien“ am 30.04.1945 innerhalb der „Föderativen Volksrepublik Jugoslawien“ proklamiert wurde. Am 07.07.1963 trat eine Änderung des Staatsnamens der Föderativen Volksrepublik Jugoslawien und der Volksrepublik Makedonien in Kraft; nach dieser Änderung war der offizielle Staatsname „Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien“ („SFRJ“) und „Sozialistische Republik Makedonien“ („SRM“). Die Sozialistische Republik Makedonien war die wirtschaftlich am wenigsten entwickelte der jugoslawischen Republiken und daher sowohl finanziell als auch wirtschaftlich stark von der jugoslawischen Föderation abhängig. Erst das klare Scheitern der jugoslawischen Föderation, besonders durch die Unabhängigkeitserklärungen der Republiken Kroatien und Slowenien, die aggressive Politik der serbischen Republiksführung und dem Krieg in Teilen der sich auflösenden jugoslawischen Föderation, ließen als letzte Konsequenz nur noch die Unabhängigkeit der Republik Makedonien als Völkerrechtssubjekt zu.

Einführung von Demokratie und Pluralismus in der Sozialistischen Republik Makedonien
Der Zerfall der SFRJ erfolgte nicht nur staatsrechtlich, sondern auch ideologisch. Auf dem XIV. und dem letzten Kongress des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BdKJ) im Januar 1990, einigte man sich auf die bisherige verfassungsmäßig abgesicherte Führungsrolle des BdKJ zu verzichten und das Mehrparteiensystem einzuführen. Am 08.08.1990 stimmte das Bundesparlament der SFRJ einer entsprechenden Verfassungsänderung zu. Mit dieser Verfassungsänderung wurde auch das System der Arbeiterselbstverwaltung zugunsten marktwirtschaftlicher Strukturen abgeschafft. Im April 1990 erweiterte der „Bund der Kommunisten Makedoniens“ (SKM) seinen Parteinamen um den Zusatz „Partei für demokratische Umgestaltung“. Bereits auf der zweiten Tagung des XIV. Kongresses des BdKJ am 26./27.05.1990 nahm die makedonische Parteiorganisation ebenso wie die Parteiorganisationen aus Slowenen und Kroatien nicht mehr teil. Die Amtszeit des letzten Vorsitzenden des BdKJ, des makedonischen Vertreters Milan Pan?evski, endete am 17.05.1990 ohne dass eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger gewählt werden konnte. Damit war im Mai 1990 der BdKJ endgültig zerfallen. In der Sozialistischen Republik Mazedonien bildeten sich die ersten nichtkommunistischen Parteien heraus. Zu Jahresbeginn wurde die „Bewegung für eine allmakedonische Aktion“ (MAAK) gegründet. Aus dieser Neugründung spaltete sich im Juni 1990 die „Innere Makedonische Revolutionäre Organisation – Demokratische Partei für die makedonische nationale Einheit“ (Vnatrešna Makedonska Revolucionerna Organizacija – Demokratska Partija za Makedonsko Nacionalno Edinstvo / VMRO-DPMNE) ab. Ihre formelle Gründung erfolgte Mitte Juli 1990 und sie wurde zu einer der prägenden Parteien der Republik Makedonien. Am 20.04.1991 wurde auf dem XI. Parteitag beschlossen, den „Bund der Kommunisten Makedoniens – Parteien für demokratische Umgestaltung“ in „Sozialdemokratischer Bund Makedoniens“ (Socijaldemokratski Sojuz na Makedonija / SDSM) umzubenennen. Auch die SDSM wurde zu einer der prägenden Parteien in der Republik Makedonien. Bereits bei den ersten freien Parlamentswahlen am 11.11.1990 trat der „Bund der Kommunisten Makedoniens – Parteien für demokratische Umgestaltung“ als reformierte, sozialdemokratisch geprägte Partei auf.

Die ersten freien Wahlen in der Sozialistischen Republik Makedonien
Am 11.11.1990 fanden in der „Sozialistischen Republik Makedonien“ erstmals freie Parlamentswahlen statt. Gleichzeitig mit der Parlamentswahl wurden die Kommunalparlamente der damaligen 34 Großgemeinden der Sozialistischen Republik Makedonien gewählt. Die Wahlbeteiligung lag im ersten Wahlgang bei 84 % und im zweiten Wahlgang bei 80 %. Es kandidierten 16 von 20 registrierten Parteien und politischen Vereinigungen. Im ersten Wahlgang war für den Erfolg der Bewerberin oder des Bewerbers die absolute Mehrheit notwendig, wobei diese oder dieser die Stimmen von mindestens einem Drittel der Wahlberechtigten eines Wahlkreises erhalten musste. In den zweiten Wahlgang gelangten nur die Kandidierenden, die im ersten Wahlgang mindestens 7 % der Stimmen erhalten hatten. Insgesamt hatte das makedonische Parlament, das Sobranie, 120 Sitze zu vergeben.
Stärkste Kraft mit 37 von 120 Sitzen wurde die „Innere Makedonische Revolutionäre Organisation – Demokratische Partei für die makedonische nationale Einheit“ (Vnatrešna Makedonska Revolucionerna Organizacija – Demokratska Partija za Makedonsko Nacionalno Edinstvo / VMRO-DPMNE). Die VMRO-DPMNE bildete mit der „Bewegung für eine allmakedonische Aktion“ (MAAK) und zwei kleineren Gruppen eine nationale Front. Es folgte als zweitstärkste Kraft mit 31 Sitzen der „Bund der Kommunisten Makedoniens – Parteien für demokratische Umgestaltung“, aus der im April 1991 der „Sozialdemokratische Bund Makedoniens“ (Socijaldemokratski Sojuz na Makedonija / SDSM) hervorging. Mit 18 Sitzen drittstärkste Kraft wurde die „Partei der demokratischen Prosperität“ (Partija za Demokratski Prosperitet / PDP bzw. Partie e Prosperitetit Demokratik), die die Interessen eines Teils der albanischstämmigen Bürgerinnen und Bürger vertritt. Sieben Sitze erhielt die PDP im Bündnis mit der ebenfalls „Demokratischen Volkspartei“ (NDP) aus dem Spektrum der Bürgerinnen und Bürger albanischer Abstammung. Elf Sitze gingen an die später zerfallende, gesamtjugoslawische „Allianz der Reformkräfte“ des damaligen jugoslawischen Ministerpräsidenten Ante Markovi?, die damals erstmals bei einer Wahl antrat. Sechs Sitze gewann ein Bündnis aus der Allianz und der ebenfalls gesamtjugoslawisch ausgerichteten „Jungen Demokratischen Fortschrittlichen Partei“. Die zwei zuletzt genannten Parteien sowie die Roma-Partei und die Sozialisten errangen als Viererbündnis zwei weitere Sitze. Die „Sozialistische Partei Makedoniens“ gewann vier Sitze. Diese Partei ist aus dem ehemaligen „Sozialistischen Bund der Werktätigen“ hervorgegangen. Ein Sitz ging an die „Partei der Jugoslawen“ und drei weitere Sitze an unabhängige Kandidierende.

Der Weg in die Unabhängigkeit
Der erste Schritt in Richtung formelle Unabhängigkeit der Republik Makedonien erfolgte am 25.01.1991 durch die „Souveränitätserklärung“ des makedonischen Parlaments. Per Akklamation stimmte das „Sobranie“ für diese Souveränitätserklärung, in der das „Recht auf Selbstbestimmung einschließlich des Rechtes auf Sezession“ von der Sozialistisch Föderativen Republik Jugoslawien (SFRJ) betont wurde. Am 27.01.1991 wählte das makedonische Parlament im zweiten Wahlgang mit 114 Stimmen bei 119 anwesenden Abgeordneten Kiro Gligorov zum Staatspräsidenten der Sozialistischen Republik Makedonien. Kiro Gligorov war der Kandidierende der Reformkommunisten und hatte bereits eine erfolgreiche langjährige Karriere in der jugoslawischen Politik hinter sich gebracht. Auf diesen Kandidierenden einigten sich am 23.01.1991 alle im Parlament vertretenden Parteien. Der makedonische Präsident Kiro Gligorov wurde zur prägenden Gestalt auf den Weg in die Unabhängigkeit der Republik Makedonien, auch wenn dieser zunächst noch mit der jugoslawischen Idee verbunden war. Ihm ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass der Weg in die Unabhängigkeit friedlich und ohne Krieg vonstatten ging. Auch die Einbeziehung der ethnisch-albanischen Gemeinschaft in die Regierung der Sozialistischen Republik Makedonien bzw. der Republik Makedonien ging auf den Einfluss und der Initiative von Kiro Gligorov zurück und wird seit dem bisher ununterbrochen so gehandhabt. Zum ersten Ministerpräsidenten nach den ersten freien Wahlen berief Kiro Gligorov am 07.03.1991 den Unabhängigen Nikola Kljusev. Am 15.04.1991 beschloss das makedonische Parlament die Änderung des Staatsnamens von „Sozialistische Republik Makedonien“ in „Republik Makedonien“. Bereits im Mai 1991 kündigte die Hellenische Republik an, dass sie eine völkerrechtliche Anerkennung des makedonischen Staates unter der Bezeichnung „Republik Makedonien“ verhindern wolle. Damit war der sogenannte Namensstreit geboren und er ist bis heute nicht gelöst. Bereits Ende 1990 zeichnete sich ein Zerfall der SFRJ immer stärker ab. Am 23.12.1990 stimmten in der jugoslawischen Republik Slowenien über 88 % der Abstimmungsberechtigten für eine Unabhängigkeit von der SFRJ. In der Republik Kroatien stimmten am 19.05.1991 in einem entsprechenden Referendum 94 % der Abstimmenden für ein selbständiges Kroatien im Rahmen einer Konföderation souveräner jugoslawischer Staaten. Nachdem die Verhandlungen über die Zukunft der jugoslawischen Föderation im Präsidium der SFRJ keine Ergebnisse gebracht hatten, wurden sie auf die Ebene der sechs Präsidenten der Republiken der SFRJ verlagert. In diesen Gesprächen wurde die Republik Makedonien von Kiro Gligorov vertreten. Die Gespräche verliefen aufgrund der gegensätzlichen Auffassungen der Republiken der SFRJ erfolglos. Die Republiken Slowenien und Kroatien wollten die jugoslawische Föderation in einen jugoslawischen Bund souveräner Staaten umwandeln oder die völlige Unabhängigkeit erlangen. Die Republiken Serbien und Montenegro wollten ebenso wie die jugoslawische Bundesregierung unter Ante Markovi? die jugoslawischen Föderation als Bundesstaat erhalten. Die Republiken Makedonien und Bosnien und Herzegowina wollten die jugoslawische Föderation in deutlich reformierter Form erhalten. Am 03.06.1991 veröffentlichten Kiro Gligorov und sein Amtskollege aus Bosnien und Herzegowina, Alija Izetbegovi?, einen Vorschlag für eine Reform des jugoslawischen Bundesstaates. Dieser Vorschlag versuchte die Vorstellungen Sloweniens und Kroatiens, die der jugoslawischen Bundesregierung unter Ante Markovi? und die des serbischen Blocks (Serbien mit seinen zwei autonomen Gebietskörperschaften und Montenegro) unter einem Hut zu bringen. Nach diesem Vorschlag sollte Jugoslawien als loser Staatenverband, der weder eine klassische Föderation noch eine klassische Konföderation sein sollte, seine Souveränität, seine internationale Identität und seine äußeren Grenzen behalten, ein einheitliches Wirtschaftsgebiet mit gemeinsamer Währung, gemeinsamer Armee und Außenpolitik bilden, gleichzeitig sollten aber auch die Mitgliedsstaaten souverän sein und sogar diplomatische Missionen im Ausland unterhalten können. Dieser Vorschlag wurde bei einem Treffen der Präsidenten der sechs jugoslawischen Republiken in Sarajevo am 06.06.1991 auch positiv aufgenommen, doch von der weiteren Entwicklung im Juni 1991 überholt. Am 25.06.1991 erklärten die Republiken Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit von der SFRJ. Auch in der Republik Makedonien wurde die Frage nach einer möglichen Unabhängigkeit von der SFRJ jetzt ernsthaft diskutiert. Bereits am 18.06.1991 kündigten Spitzenpolitiker der Republik Makedonien den Austritt aus der SFRJ an, ohne allerdings ein genaues Datum zu nennen. Präsident Gligorov zögerte allerdings noch, er wollte die jugoslawische Idee noch nicht aufgeben. Er erklärte noch am 30.06.1991, dass die Republik Makedonien der jugoslawischen Idee verbunden bliebe und nicht dem Beispiel der Republiken Slowenien und Kroatien folgen wolle. Dies hatte unter anderem auch wirtschaftliche Gründe. Die Wirtschaft der Republik Makedonien war im Vergleich zu den anderen Republiken der SFRJ die am wenigsten entwickeltste und zu 50 bis 60 % auf die SFRJ ausgerichtet. Ein Austritt aus der SFRJ hätte also schwerwiegende finanzielle und wirtschaftliche Folgen für die Republik Makedonien. Doch die Ereignisse ab Juli 1991 machten jede Hoffnung auf einen Fortbestand der jugoslawischen Föderation zunichte. Die Republiken Slowenien und Kroatien hielten unbeirrt an ihren Unabhängigkeitserklärungen fest. Im Falle Sloweniens wurde diese de facto, wenn auch nicht de jure vom Präsidium der SFRJ am 18.07.1991 anerkannt. Insgesamt war der Austritt der Republiken Slowenien und Kroatien mit einem blutigen Krieg verbunden, der vor allem seinen Schwerpunkt in Kroatien hatte und sich letztlich als serbisch-kroatischer Konflikt herausstellte. Die aggressive Politik der serbischen Republiksführung machte darüber hinaus ein Zusammengehen in einer neuen jugoslawischen Föderation oder Konföderation unmöglich, so dass die Republik Makedonien einen gemeinsamen Staat mit Serbien und Montenegro („Bundesrepublik Jugoslawien“) ablehnte. Die Republik Makedonien befürchtete, dass die Republik Serbien die gemeinsame Grenze zur Republik Makedonien in einer neuen gemeinsamen Föderation oder Konföderation nicht respektieren würde. Nach der Abwägung aller Möglichkeiten beschloss das Parlament der Republik Makedonien ein Referendum über die Unabhängigkeit der Republik Makedonien von der SFRJ abzuhalten. Dieses Referendum sah immer noch vor, dass die Republik Makedonien das Recht haben sollte, einem neu zu formierenden und später nie gegründeten jugoslawischen Staatsgefüge aus souveränen Staaten beizutreten. In diesem Referendum, das am 08.09.1991 stattfand, sprachen sich 70 % der Abstimmungsberechtigten (fast 95 % der Abstimmenden bei einer Wahlbeteiligung von 75 %) für die Unabhängigkeit der Republik Makedonien aus, mit der Option einem erneuerten Bund aus souveränen jugoslawischen Staaten beizutreten. Am 18.09.1991 erfolgte durch einen entsprechenden Parlamentsbeschluss die Erklärung der Unabhängigkeit der Republik Makedonien von der SFRJ. Diese Unabhängigkeit wurde durch eine neue Verfassung umgesetzt, die am 18.11.1991 vom makedonischem Parlament beschlossen und am 20.11.1991 während einer Festsitzung des Parlaments proklamiert wurde. In dieser heute noch gültigen Verfassung wird die Republik Makedonien als souveräner, unabhängiger, demokratischer und sozialer Staat definiert.

Die Republik Makedonien als unabhängiger Staat
Der Weg der Republik Makedonien in die Unabhängigkeit erfolgte friedlich. Der makedonische Präsident und die Jugoslawische Volksarmee (JNA) einigten sich am 24.02.1992 auf einen Abzug der Bundesstreitkräfte bis zum 15.04.1991. Bereits am 26.03.1992 war dieser Abzug abgeschlossen. Bulgarien erkannte am 16.01.1992 als erster Staat die Republik Makedonien an. Jedoch erkannten Aufgrund des sogenannten Namensstreits mit der Hellenischen Republik bis zum April 1993 nur wenige Staaten die Republik Makedonien völkerrechtlich an. Am 07.04.1993 nahmen die Hellenische Republik und die Republik Makedonien ein Vermittlungsangebot der Vereinten Nationen an. Bis zu einer endgültigen Lösung des sogenannten Namensstreits wurde die Republik Makedonien unter einer vorläufigen Bezeichnung in die Vereinten Nationen aufgenommen, was am 08.04.1993 per Akklamation von der Vollversammlung der Vereinten Nationen entsprechend beschlossen wurde. Die Lösungsfindung im sogenannten Namensstreit soll im Rahmen der Vereinten Nationen in gemeinsamen Gesprächen zwischen der Republik Makedonien und der Hellenischen Republik erfolgen. Diese Gespräche sind bis zum heutigen Tage erfolglos verlaufen. Nach der Aufnahme der Republik Makedonien in die Vereinten Nationen erfolgte ihre weitgehende völkerrechtliche Anerkennung durch andere Staaten. Im bilateralen völkerrechtlichen Verkehr wird die Republik Makedonien von der überwiegenden Mehrheit der Staaten unter ihrem verfassungsmäßigen Namen anerkannt. Außenpolitisch strebt die Republik Makedonien vor allem eine Mitgliedschaft in der EU und der NATO an, was aufgrund des sogenannten Namensstreits und des Widerstandes der Hellenischen Republik bisher gescheitert ist.